Technische Verfügbarkeit: Definition, Formel und Berechnung
Von Peter Krüsi · Instandhaltungs-Glossar
Definition
Die technische Verfügbarkeit ist der Anteil der Zeit, in dem eine Anlage aus technischer Sicht betriebsbereit ist — also nicht wegen einer Störung stillsteht. Sie wird berechnet als MTBF / (MTBF + MTTR) oder als betriebsbereite Zeit geteilt durch die geplante Nutzungszeit, meist in Prozent. Je höher der Wert, desto seltener und kürzer legen ungeplante Ausfälle die Anlage lahm.
Inhalt
Wie die technische Verfügbarkeit berechnet wird
Für die technische Verfügbarkeit gibt es zwei Wege, die dasselbe messen. Über die Kennzahlen rechnet man sie aus der MTBF (mittlere Betriebsdauer zwischen zwei Ausfällen) und der MTTR (mittlere Zeit bis zur Behebung):
technische Verfügbarkeit = MTBF / (MTBF + MTTR)
Beispiel: Läuft eine Anlage im Schnitt 500 Stunden zwischen zwei Ausfällen und dauert eine Instandsetzung im Schnitt 5 Stunden, liegt die technische Verfügbarkeit bei 500 / 505 = 0,990, also 99,0 Prozent.
Der zweite Weg rechnet direkt über die Zeit: die betriebsbereite Zeit geteilt durch die geplante Nutzungszeit.
technische Verfügbarkeit = (Nutzungszeit − störungsbedingte Ausfallzeit) / Nutzungszeit
Beispiel: Ist eine Anlage in der Woche 200 Stunden eingeplant und steht davon 4 Stunden wegen Störungen still, liegt die technische Verfügbarkeit bei (200 − 4) / 200 = 0,98, also 98 Prozent. Die Terminologie rund um Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Instandhaltbarkeit ist in der DIN EN 13306 geregelt.
Was als Ausfall zählt — und was nicht
Hier steckt die häufigste Verwechslung. Die technische Verfügbarkeit betrachtet nur die störungsbedingten, also ungeplanten Stillstände — den Teil, den die Anlagentechnik und die Instandhaltung zu verantworten haben. Geplante Stillstände zählen nicht als technische Nichtverfügbarkeit: Wenn du die Anlage für die Wartung abstellst, ist sie nicht technisch ausgefallen, sondern planmäßig außer Betrieb.
Genauso wenig zählen organisatorische Stillstände in die technische Verfügbarkeit: kein Material, kein Auftrag, kein Personal. Die Anlage könnte laufen, aus technischer Sicht ist sie verfügbar — sie wird nur gerade nicht gebraucht. Wer diese beiden Sorten Stillstand in einen Topf wirft, misst am Ende alles Mögliche, nur nicht die Technik. Deshalb steht und fällt die Zahl mit der Erfassung: Jeder Stillstand muss der richtigen Ursache zugeordnet werden — Störung, geplante Instandsetzung oder Organisation.
Technische Verfügbarkeit, OEE und Anlagenverfügbarkeit
Die technische Verfügbarkeit ist die enge, technische Sicht. Daneben stehen zwei weiter gefasste Kennzahlen, die oft mit ihr verwechselt werden.
Der Verfügbarkeitsfaktor der OEE (Overall Equipment Effectiveness) rechnet die tatsächliche Produktionszeit gegen die geplante Produktionszeit — und zählt dabei alle Stillstände während der geplanten Produktion mit, also auch Rüsten und organisatorische Unterbrechungen. Er liegt darum in der Regel niedriger als die technische Verfügbarkeit. Mehr zur OEE steht in OEE verbessern.
Die Anlagenverfügbarkeit (auch operative oder Gesamtverfügbarkeit) liegt dazwischen: Sie erweitert die technische Sicht um ablauf- und organisationsbedingte Stillstände — die Sicht des Betriebs statt nur der Instandhaltung.
Kurz: Die technische Verfügbarkeit isoliert die Technik, die OEE misst die gesamte Anlagenleistung inklusive Tempo und Ausschuss, und die Anlagenverfügbarkeit sitzt als betriebliche Zwischengröße dazwischen. Welche Zahl du meinst, musst du vor der ersten Messung klären — sonst vergleichst du später Äpfel mit Birnen.
Häufige Fragen
Was ist die technische Verfügbarkeit?
Die technische Verfügbarkeit ist der Anteil der Zeit, in dem eine Anlage aus technischer Sicht betriebsbereit ist — also nicht wegen einer Störung stillsteht. Sie ist eine Kennzahl dafür, wie zuverlässig und schnell wieder verfügbar eine Anlage im Betrieb ist, und wird meist in Prozent angegeben.
Wie berechnet man die technische Verfügbarkeit?
Über die Kennzahlen: technische Verfügbarkeit = MTBF / (MTBF + MTTR). Beispiel: 500 Stunden mittlere Betriebsdauer und 5 Stunden mittlere Instandsetzung ergeben 500 / 505 = 99,0 Prozent. Alternativ über die Zeit: (Nutzungszeit − störungsbedingte Ausfallzeit) / Nutzungszeit.
Zählt geplante Wartung in die technische Verfügbarkeit?
Nein. Die technische Verfügbarkeit betrachtet nur die störungsbedingten, ungeplanten Ausfälle. Wenn eine Anlage planmäßig für die Wartung abgestellt wird, ist sie nicht technisch ausgefallen, sondern geplant außer Betrieb — das wird getrennt erfasst.
Was ist der Unterschied zwischen technischer Verfügbarkeit und OEE?
Die technische Verfügbarkeit betrachtet nur die störungsbedingten Stillstände. Der Verfügbarkeitsfaktor der OEE zählt alle Stillstände während der geplanten Produktionszeit mit, also auch Rüsten und organisatorische Unterbrechungen, und liegt darum meist niedriger. Die gesamte OEE bezieht zusätzlich noch Tempo und Ausschuss ein.
Was ist ein guter Wert für die technische Verfügbarkeit?
Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht — er hängt von Anlage, Kritikalität und Branche ab. Aussagekräftiger als ein absoluter Wert ist der Trend über die Zeit und die Frage, ob die Zahl auf sauber erfassten Stillständen beruht. Ein Wert, der nur hoch aussieht, weil kurze Störungen nicht eingetragen werden, hilft niemandem.