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SAP PM Alternative: wann sich ein eigenes Instandhaltungssystem neben SAP lohnt

Von Peter KrüsiEidg. dipl. Instandhaltungsleiter / NDS BWL · Mitgründer6 Min. Lesezeit
Inhalt

SAP PM ist das Instandhaltungsmodul im SAP-ERP. Es passt für Betriebe, deren Instandhaltung ohnehin in der SAP-Welt arbeitet: eng an Einkauf, Lager und Kostenstellen, mit Leuten, die jeden Tag in SAP sitzen. Schwer wird es dort, wo der Monteur die Störung an der Maschine zurückmelden soll. Die Entscheidung für oder gegen ein eigenes System fällt deshalb nicht am Funktionsumfang, sondern an einer Frage: Arbeitet deine Instandhaltung im ERP oder an der Maschine? Ein eigenes System lohnt sich dann, wenn die Rückmeldung an der Anlage passieren muss und die SAP-Maske sie verhindert.

SAP PM ist kein schlechtes System, es ist ein ERP-System

SAP PM denkt so, wie ein ERP denkt: in Buchungen, Belegen, Kostenstellen und Materialnummern. Das ist kein Fehler, das ist der Zweck. Wenn ein Auftrag sauber auf die richtige Kostenstelle läuft, das Ersatzteil direkt aus dem Lager gebucht wird und der Einkauf die Bestellung im selben System sieht, dann ist das für viele Betriebe genau das Richtige.

Es gibt Fälle, in denen ich bei SAP PM bleiben würde: wenn der ganze Betrieb in SAP lebt, wenn die Instandhaltung einen eigenen Planer hat, der den ganzen Tag im ERP arbeitet, und wenn die Rückmeldung ohnehin über das Büro läuft und nicht über den Monteur an der Anlage. Dann bringt dir ein zweites System vor allem eins: eine zweite Stelle, an der du Daten pflegen musst. Das braucht keiner.

Wo das ERP-Modul am Hallenboden bricht

Der Bruch kommt nicht im Büro, sondern an der Maschine. Der Monteur hat gerade eine Störung behoben, die Hände sind dreckig, die nächste Anlage wartet schon. Jetzt soll er zurückmelden, was war, wie lange es gedauert hat und was er getauscht hat. Und dafür öffnet er eine Maske, die für die Buchhaltung gebaut wurde.

Was passiert dann? Er meldet nicht zurück. Oder er meldet am Abend zurück, aus dem Gedächtnis, mit „Störung behoben" als Text. Oder er sagt es dem Meister, und der tippt es irgendwann ein. Die Leute gehen immer den Weg, der am wenigsten Aufwand macht. Wenn Anrufen einfacher ist als Zurückmelden, wird angerufen.

Und das ist das Teure daran: Die Lizenz ist bezahlt, das Modul ist da, aber es kommen keine brauchbaren Daten raus. Keine ehrliche Ausfallzeit, keine Ursache, keine Historie, mit der du die nächste Störung schneller findest. Und ohne diese Daten kannst du gegenüber der Geschäftsleitung nichts belegen.

Dazu kommt die zweite Bremse: Jede Anpassung ist ein Projekt. Du willst ein Feld weg, eine Auswahl anders, eine Auswertung dazu. Im ERP heißt das oft Anfrage an die IT, Berater, Budget, Wartezeit. Viele Einstellmöglichkeiten klingen gut, aber in der Praxis versteht und nutzt sie am Ende kaum jemand.

Der Unterschied liegt nicht in den Funktionen, sondern in der Begründung

Aus meiner Erfahrung ist das der eigentliche Unterschied zwischen einem ERP-Modul und einer Software, die aus der Instandhaltung kommt. Nicht die Liste der Funktionen, die sieht auf dem Papier oft ähnlich aus. Sondern die Frage: Kann dir jemand sagen, warum etwas so ist?

Beim ERP heißt die Antwort oft „Es ist so." Das Feld ist da, weil das Datenmodell es so will. Bei einer Instandhaltungssoftware aus der Praxis muss jede Entscheidung einen Grund haben, den man mit einem Beispiel von der Anlage belegen kann. Warum dieses Feld Pflicht ist, warum jenes nicht existiert, warum die Rückmeldung genau so kurz ist. Und wenn ein Kunde die bessere Begründung hat, dann fragt man erst, warum er es so gemacht hat, und übernimmt es. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Am Hallenboden ist es der Unterschied zwischen einem System, das benutzt wird, und einem, um das alle herumarbeiten.

Die Test-Frage: Arbeitet deine Instandhaltung in SAP oder an der Maschine?

Bevor du über ein zweites System nachdenkst, beantworte die Frage ehrlich für deinen Betrieb. Nicht für den Konzern, nicht für die IT, sondern für die Leute, die morgen früh an der Anlage stehen.

Wenn bei dir die ersten drei Fragen gegen SAP PM sprechen und die vierte nicht zwingend dafür, dann ist ein eigenes System keine Spielerei, sondern der Weg zu Daten, die du wirklich nutzen kannst. Wenn die vierte Frage alles überwiegt, bleib beim Modul und investiere lieber in eine einfachere Rückmeldung.

Zwei Systeme ohne Doppelpflege

Die berechtigte Sorge bei einem zweiten System ist die Doppelpflege. Niemand will ein zweites ERP neben dem ersten, und niemand will dieselbe Anlage an zwei Stellen führen. Deshalb gilt eine einfache Regel: Jede Information hat genau eine Quelle.

Die kaufmännischen Stammdaten, also Kostenstellen, Materialnummern und Bestellungen, bleiben im ERP. Was die Instandhaltung im Alltag braucht, also Aufträge, Störungen, Wartungspläne und die Historie der Anlage, gehört ins Instandhaltungssystem. Wo sich beides berührt, zum Beispiel bei den technischen Plätzen oder beim Ersatzteilverbrauch, klärst du vorher, welches System führt und welches nur übernimmt. Wer das nicht vorher festlegt, hat nach einem halben Jahr zwei Wahrheiten, und am Ende glaubt keiner mehr den Zahlen.

Was ein eigenständiges Instandhaltungssystem von einem ERP-Modul grundsätzlich unterscheidet, steht in der Abgrenzung beim CMMS. Hier geht es nur um die Frage, wie beide nebeneinander funktionieren, ohne dass du alles zweimal eintippst.

Wenn du wechselst, entscheidet die Einführung, nicht die Software

Ein neues System löst das Rückmelde-Problem nicht von allein. Wenn die Leute nicht verstehen, wofür sie zurückmelden, meldet auch in der schönsten App keiner zurück. Wie du das Team dafür gewinnst, statt es gegen dich aufzubringen, habe ich beim Thema Instandhaltungssoftware einführen aufgeschrieben. Das gilt beim Umstieg von SAP PM genauso wie beim Umstieg von Excel.

Und ein Hinweis zu den Altdaten: Übernimm aus SAP nicht alles eins zu eins. In einer Struktur, die über Jahre gewachsen ist, liegt viel Altes, das keiner mehr braucht. Der Wechsel ist die Gelegenheit, aufzuräumen, statt den alten Ballast mitzunehmen. Schau dir an, wie eine saubere Anlagenstruktur aussieht, bevor du sie ins neue System überträgst.

Wann unsere Software nicht die richtige Wahl ist

Es gehört zur Ehrlichkeit dazu: Wenn deine Instandhaltung komplett in der SAP-Welt arbeitet, ein Planer die Aufträge im ERP führt und alles zwingend über Kostenstellen und Materialbuchungen laufen muss, dann brauchst du kein zweites System. Dann ist SAP PM richtig, und die Energie steckst du besser in eine einfachere Rückmeldung innerhalb von SAP.

Unsere Instandhaltungssoftware ist für den anderen Fall gebaut: für Instandhaltungen, in denen der Monteur an der Anlage zurückmelden soll, in denen das Team das System selbst anpassen will, ohne für jede Änderung einen Programmierer zu brauchen, und in denen die Daten am Ende für die Instandhaltung da sind und nicht nur für die Buchhaltung. Wenn du sehen willst, wie das neben deinem SAP aussehen kann, buch dir eine unverbindliche Demo.

Häufige Fragen

Was ist SAP PM?

SAP PM (Plant Maintenance) ist das Instandhaltungsmodul im SAP-ERP. Es führt Instandhaltungsaufträge, Wartungspläne und technische Plätze und bindet sie an Einkauf, Lager und Kostenrechnung an. Wie es sich von einer eigenständigen Instandhaltungssoftware abgrenzt, steht im Glossar unter CMMS.

Lohnt sich ein eigenes Instandhaltungssystem neben SAP?

Dann, wenn die Rückmeldung an der Anlage passieren muss und die SAP-Maske sie verhindert. Kommen heute nur Rückmeldungen wie „erledigt" ohne Ursache und echte Ausfallzeit raus, zahlst du für ein Modul, das keine brauchbaren Daten liefert. Ein eigenes System lohnt sich, wenn es genau das ändert und sauber mit dem ERP gekoppelt ist.

Wann sollte man bei SAP PM bleiben?

Wenn der ganze Betrieb in SAP lebt, die Instandhaltung einen Planer hat, der im ERP arbeitet, und jeder Auftrag zwingend auf Kostenstelle und Material laufen muss. Dann bringt ein zweites System vor allem eine zweite Stelle zum Pflegen. In dem Fall lohnt es sich mehr, die Rückmeldung innerhalb von SAP zu vereinfachen.

Wie vermeide ich Doppelpflege zwischen SAP und Instandhaltungssoftware?

Mit einer klaren Regel: Jede Information hat genau eine Quelle. Kaufmännische Stammdaten wie Kostenstellen, Materialnummern und Bestellungen bleiben im ERP. Aufträge, Störungen, Wartungspläne und Anlagenhistorie gehören ins Instandhaltungssystem. Wo sich beides berührt, legst du vorher fest, welches System führt.

Warum wird SAP PM in der Werkstatt oft nicht genutzt?

Weil die Rückmeldung an der Maschine über eine Maske läuft, die für Buchungen gebaut wurde. Der Monteur geht den Weg mit dem wenigsten Aufwand, und wenn Anrufen einfacher ist als Zurückmelden, wird angerufen. Dazu kommt, dass jede Anpassung im ERP schnell zum IT-Projekt wird.

Kann ich Daten aus SAP PM in ein neues System übernehmen?

Ja, aber nicht alles eins zu eins. In einer über Jahre gewachsenen SAP-Struktur liegt viel Altes, das keiner mehr braucht. Nutze den Wechsel, um die Anlagenstruktur aufzuräumen, und übernimm nur, was du im Alltag wirklich brauchst.