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Instandhaltungssoftware einführen — ohne dass das Team auf die Barrikaden geht

Von Peter KrüsiEidg. dipl. Instandhaltungsleiter / NDS BWL · Mitgründer6 Min. Lesezeit
Inhalt

Eine Instandhaltungssoftware einzuführen gelingt nicht über die Funktionen, sondern darüber, wie du sie dem Team erklärst. Wird sie als Kontrolle wahrgenommen, blockiert das Team. Wird sie als Werkzeug eingeführt, mit dem die Instandhaltung ihren Wert gegenüber der Geschäftsleitung endlich belegen kann, trägt das Team sie mit. Technisch ist es dieselbe Zeiterfassung auf Aufträgen, dieselben Kennzahlen. Es entscheidet nur, wem die Zahlen dienen. Genau das musst du zuerst klären, nicht den Schulungstermin.

Wie aus einem Aufstand das Werkzeug wurde, das das Team selbst wollte

Ich habe in einer Instandhaltung mit zwanzig Leuten Richtzeiten eingeführt, also Zeiterfassung auf Aufträgen. Das war ein Riesentheater. Die sind auf die Barrikaden gegangen: Überwachung, Kontrolle, mit uns nicht. Für die stand fest, dass ab jetzt jemand mit der Stoppuhr danebensteht.

Also habe ich alle zwanzig in einen Raum geholt und sie erst mal alles rauslassen lassen. Alles rauf auf den Tisch, kein Blatt vor den Mund. Und dann habe ich ihnen gesagt: Versteht das nicht falsch, ihr werdet nicht kontrolliert, ich helfe euch. Ihr sagt mir seit Jahren, ihr habt zu viel Arbeit. Jetzt kann ich es beweisen. Ich kann schwarz auf weiß zeigen, was wir hätten machen müssen und was mit dieser Mannschaft tatsächlich zu schaffen war.

Und noch etwas: Ihr geht nach vorne und hört immer nur, ihr seid zu teuer. Ich brauche ein Werkzeug, mit dem ich das Gegenteil belegen kann. Wenn wir das erreichen, seid ihr die Könige.

Da hat es bei den ersten klick gemacht. Stimmt eigentlich, wir behaupten das immer nur und wissen es gar nicht. Mit den ersten monatlichen Zahlen haben sie es dann schnell begriffen. Es waren schwierige Kandidaten dabei. Wenn du 60-Jährige hast, die ihr Leben lang ohne so ein System gearbeitet haben, ist das ein Kampf. Aber am Ende lief es mit allen. Aus dem Aufstand wurde das Werkzeug, das sie selbst haben wollten. Und das Thema „ihr seid zu teuer" war vom Tisch, weil wir jetzt antworten konnten.

Erst klären, wem die Zahlen dienen, dann einführen

Aus meiner Erfahrung scheitern diese Systeme nicht an der Technik, sondern daran, wie du sie einführst. Es sind dieselben Daten und dieselben Aufträge. Ob daraus eine Barrikade oder Rückhalt wird, entscheidet eine einzige Frage: Wem dienen die Zahlen? Führst du das System ein, damit die Geschäftsleitung deinen Leuten auf die Finger schaut, hast du das Team gegen dich. Führst du es ein, damit deine Leute endlich belegen können, dass sie nicht zu teuer sind, hast du sie hinter dir.

Das ist kein Trick, sondern die ehrliche Wahrheit über so ein System. Eine Instandhaltung ohne Aufträge und ohne Zahlen verliert jede Budget-Diskussion, weil sie nur behaupten kann und nichts belegen. Die Software ist das Werkzeug, das aus „bei uns läuft alles" und „wir haben zu viel Arbeit" belastbare Werte macht. Und Werte sind die einzige Sprache, die eine Geschäftsleitung wirklich akzeptiert. Deshalb ist die Einführung keine IT-Aufgabe. Sie ist die Antwort auf die Frage, wem die Zahlen gehören.

Ob du das System nun Instandhaltungssoftware oder CMMS nennst, ändert daran nichts. Das ist dasselbe. Der Unterschied liegt nie im Namen, sondern in der Einführung.

Das Team vor dem Start ins Boot holen, nicht danach

Der Rückhalt entsteht vor dem Start, nicht danach. Ein Rundmail „ab Montag erfassen wir Zeiten" ist die sicherste Art, dir die Mannschaft zu verlieren. Hol die Leute vorher in einen Raum und lass sie sagen, was sie an der Sache stört. Auch das Unfaire, auch das Überzogene. Wer seinen Frust einmal loswerden durfte, hört danach überhaupt erst zu.

Und dann kommt die ehrliche Begründung, nicht die Hochglanz-Version. Nicht „das macht uns alle effizienter", sondern das, was für deine Leute zählt: Ihr sagt seit Jahren, ihr seid am Anschlag, und keiner glaubt es euch. Mit diesen Zahlen kann ich es beweisen. Ihr hört ständig, ihr seid zu teuer, und könnt nichts dagegenhalten. Mit diesen Zahlen habt ihr die Antwort. Das ist kein Memo, das ist ein Gespräch. Und es entscheidet mehr über den Erfolg als jede Funktion im System.

Mit den monatlichen Zahlen kommt die Akzeptanz, nicht mit dem Schulungstermin

Die Akzeptanz kippt nicht am Schulungstag, sondern wenn die ersten monatlichen Zahlen auf dem Tisch liegen. Solange das System leer ist, ist es für alle nur zusätzliche Klickerei. In dem Moment, in dem der erste Monatsbericht zeigt, was die Truppe wirklich gestemmt hat, macht es klick. Dann sehen die Leute den eigenen Nutzen und nicht mehr die Stoppuhr.

Wie lange das dauert, hängt vom Team ab. Bei den schwierigen 60-Jährigen war es ein Kampf und trotzdem kam der Punkt, an dem die Zahl für sich sprach. Deshalb ist der beste Zeitpunkt, um Zweifler zu überzeugen, nicht die Einführung selbst, sondern der erste ehrliche Monatsbericht. Und dafür brauchst du die richtigen Kennzahlen von Anfang an sauber aufgesetzt, sonst produziert das System Zahlen, die keiner ernst nimmt. Womit du dann rechnest, ist auch der Hebel, mit dem du gegenüber der Geschäftsleitung belegst, dass deine Instandhaltung nicht zu teuer ist.

Nur ins System, was ins System gehört

Ein System lebt nicht davon, dass alles drinsteht, sondern davon, dass das Richtige drinsteht. Wer jede tägliche Handgriff-Routine zur Auftragspflicht macht, erstickt die Akzeptanz in Klick-Bürokratie. Nach der zweiten Woche „Kurz abhaken, dass ich den Filter angeschaut habe" ist die Stimmung wieder da, wo sie vor der Einführung war.

Meine Faustregel dafür ist einfach: Alles ab monatlich oder mit Nachweispflicht gehört ins System, der tägliche und wöchentliche Kleinkram nicht. Das deckt sich mit dem, was in der Praxis ohnehin passiert, denn Wartungsintervalle unter einem Monat macht sowieso niemand als eigenen Auftrag. Genau diese Trennung hält das System schlank genug, dass die Leute es pflegen, statt es nach drei Monaten wieder zur Schubladen-Software verkommen zu lassen.

Wann eine Instandhaltungssoftware nicht die Lösung ist

Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, das auch zu sagen: Eine Software löst kein Problem, das eigentlich ein Prozessproblem ist. Wenn bei dir keine Aufträge existieren, keine Begriffe sauber getrennt sind und keiner weiß, was Störung, Wartung oder Instandsetzung genau heißt, dann bringt dir kein Werkzeug Ordnung. Es digitalisiert nur das Chaos.

In dem Fall ist die Software der zweite Schritt, nicht der erste. Erst die Grundlagen, dann das System, das sie abbildet. Was diese Grundlagen sind, steckt in der Disziplin dahinter, dem Instandhaltungsmanagement. Wer das überspringt und glaubt, ein Kauf regle den Rest, hat nach einem halben Jahr ein teures Programm und dieselben Probleme wie vorher. Die Einführung gelingt, wenn das Fundament steht und die Frage nach den Zahlen geklärt ist.

Wenn du sehen willst, wie sich diese Einführung, saubere Aufträge und die monatlichen Kennzahlen in einem System verbinden lassen, buch dir eine unverbindliche Demo.

Häufige Fragen

Warum scheitern Einführungen von Instandhaltungssoftware?

Fast nie an der Technik, sondern daran, wie sie eingeführt wird. Als Kontrolle wahrgenommen, geht das Team auf die Barrikaden. Als Werkzeug eingeführt, mit dem die Instandhaltung ihren Wert gegenüber der Geschäftsleitung belegen kann, trägt das Team sie mit. Es ist dieselbe Zeiterfassung — es entscheidet nur, wem die Zahlen dienen.

Wie überzeuge ich ein Team, das seit Jahren ohne System arbeitet?

Über den eigenen Nutzen, nicht über die Anweisung. Hol die Leute vorher in einen Raum, lass sie ihren Frust loswerden und gib ihnen dann die ehrliche Begründung: Mit diesen Zahlen könnt ihr endlich belegen, dass ihr am Anschlag arbeitet und nicht zu teuer seid. Sobald der erste Monatsbericht das schwarz auf weiß zeigt, macht es klick, auch bei den Skeptikern.

Wie lange dauert es, bis eine Instandhaltungssoftware akzeptiert wird?

Das lässt sich nicht in Wochen festnageln, es hängt vom Team ab. Der Wendepunkt ist nicht der Schulungstermin, sondern der erste ehrliche Monatsbericht. Sobald die Leute in den Zahlen den eigenen Nutzen sehen, kippt die Stimmung. Bei langjährigen Skeptikern dauert es länger, aber der Punkt kommt, sobald die Zahl für sich spricht.

Was gehört in eine Instandhaltungssoftware und was nicht?

Alles ab monatlich oder mit Nachweispflicht gehört ins System. Den täglichen und wöchentlichen Kleinkram lässt du draußen. Wer jede Handgriff-Routine zur Auftragspflicht macht, erstickt die Akzeptanz in Klick-Bürokratie und hat nach drei Monaten wieder Schubladen-Software. Schlank halten ist der Grund, warum das System gepflegt wird.

Ist eine Instandhaltungssoftware und ein CMMS dasselbe?

Ja. CMMS steht für Computerized Maintenance Management System und meint dasselbe wie Instandhaltungssoftware: das System, in dem Aufträge, Wartungen und Kennzahlen der Instandhaltung geführt werden. Der Unterschied liegt nie im Namen, sondern darin, wie sauber du es einführst und pflegst.

Wann ist eine Instandhaltungssoftware nicht die richtige Lösung?

Wenn das eigentliche Problem fehlende Aufträge und Prozesse sind, nicht das fehlende Werkzeug. Existieren keine sauberen Aufträge und ist nicht klar getrennt, was Störung, Wartung und Instandsetzung heißt, digitalisiert die Software nur das Chaos. Dann sind erst die Grundlagen dran und danach das System, das sie abbildet.