Condition Monitoring: Zustandsüberwachung von Maschinen
Von Peter Krüsi · Instandhaltungs-Glossar
Definition
Condition Monitoring (deutsch: Zustandsüberwachung) ist das kontinuierliche oder periodische Erfassen von Zustandsgrößen einer Maschine — etwa Schwingung, Temperatur oder Ölzustand — im laufenden Betrieb, um ihren technischen Zustand zu beurteilen. Ziel ist, eine Verschlechterung früh zu erkennen, bevor sie zum Ausfall wird. Condition Monitoring liefert dabei die Daten; die Prognose, wann ein Bauteil ausfällt, ist Sache der Predictive Maintenance.
Inhalt
Condition Monitoring — auf Deutsch Zustandsüberwachung — heißt, den Zustand einer Maschine im laufenden Betrieb zu messen, statt ihn zu raten. Du erfasst kontinuierlich oder in festen Abständen Größen wie Schwingung, Temperatur oder den Ölzustand und beurteilst daraus, wie es der Anlage geht. Der Grundgedanke steht in der DIN ISO 17359, der allgemeinen Anleitung zur Zustandsüberwachung und -diagnostik von Maschinen: früh erkennen, dass sich etwas verschlechtert, bevor daraus ein Ausfall wird.
Welche Größen Condition Monitoring misst
Es gibt nicht die eine Messgröße. Welche du nimmst, hängt davon ab, woran sich der drohende Schaden zuerst zeigt. In der Praxis sind das vor allem vier Verfahren:
- Schwingungsanalyse (Vibration). Lager, Wellen und Getriebe verraten sich über ihr Schwingungsbild, lange bevor sie ganz kaputtgehen. Für die Zustandsbeurteilung von Wälzlagern über Körperschall gibt es mit der VDI 3832 eine eigene Richtlinie.
- Temperatur und Thermografie. Ein heißlaufendes Lager, ein loser Klemmenkontakt, eine überlastete Kupplung — Wärme ist oft das erste sichtbare Zeichen. Mit der Wärmebildkamera siehst du es, ohne die Anlage anzufassen.
- Ölanalyse. Eine Ölprobe im Labor zeigt Wasseranteil, Metallabrieb und den Zustand der Additive. Der Metallabrieb verrät einen beginnenden Schaden, bevor er hörbar wird. Wie das an einem Getriebe konkret abläuft, steht in Wartungsintervalle festlegen.
- Körperschall und Geräusch. Was der erfahrene Instandhalter am Ohr hört, misst ein Sensor systematisch und mit Grenzwert — reproduzierbar statt aus dem Bauch heraus.
Weitere Größen kommen je nach Anlage dazu: Druck, Durchfluss, der Motorstrom. Für Sonderfälle gibt es eigene Regelwerke, etwa die VDI 3834 für die Schwingungen an Windenergieanlagen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Sensoren, sondern dass die gewählte Größe früh genug etwas sagt.
Condition Monitoring, Predictive Maintenance und einfache Inspektion
Die drei werden oft in einen Topf geworfen, sind aber nicht dasselbe.
Condition Monitoring misst — es liefert die Daten über den Ist-Zustand. Predictive Maintenance prognostiziert — sie nutzt genau diese Daten, um zu schätzen, wie lange ein Bauteil noch hält, und plant die Instandhaltung danach. Ohne Zustandsdaten keine seriöse Prognose: Condition Monitoring ist die Grundlage, Predictive Maintenance der Schritt darauf. Mehr dazu steht unter Predictive Maintenance.
Und die einfache Inspektion? Das ist der Rundgang, bei dem einer schaut, horcht und anfasst. Wertvoll, aber punktuell und subjektiv — zwei Leute beurteilen dieselbe Anlage verschieden. Condition Monitoring macht daraus eine gemessene Größe mit Trend und Grenzwert, die jeder gleich liest.
Wann sich Condition Monitoring lohnt
Condition Monitoring kostet Sensoren, Messgeräte oder Laborproben und die Zeit, die Werte auch anzuschauen. Das lohnt sich nicht überall gleich. Die Frage ist immer dieselbe: Was passiert, wenn diese Anlage ohne Vorwarnung stehenbleibt?
- Bei einer kritischen Anlage, deren Ausfall die Produktion stoppt oder ein teures Bauteil mitreißt, zahlt sich die Überwachung fast immer aus. Hier ist die frühe Warnung echtes Geld wert.
- Bei einer unkritischen Anlage, die du im Ausfall in einer Stunde tauschst und die niemanden aufhält, ist der Aufwand oft nicht gerechtfertigt. Die darf ruhig kaputtgehen.
Welche deiner Anlagen in welche Klasse gehören, klärst du vorher über eine Kritikalitätsanalyse. Erst danach entscheidest du, wo sich das Messen lohnt.
Häufige Fragen
Was ist Condition Monitoring?
Condition Monitoring (deutsch: Zustandsüberwachung) ist das kontinuierliche oder periodische Messen von Zustandsgrößen einer Maschine im laufenden Betrieb — etwa Schwingung, Temperatur oder Ölzustand. Aus diesen Werten beurteilst du den technischen Zustand und erkennst eine Verschlechterung, bevor sie zum Ausfall wird. Die Grundlagen dazu regelt die DIN ISO 17359.
Welche Verfahren gehören zum Condition Monitoring?
Die vier verbreitetsten sind Schwingungsanalyse (an Lagern, Wellen und Getrieben), Temperaturmessung und Thermografie, Ölanalyse im Labor sowie Körperschall- und Geräuschmessung. Je nach Anlage kommen Druck, Durchfluss oder der Motorstrom dazu. Welche Größe du nimmst, hängt davon ab, woran sich der drohende Schaden zuerst zeigt.
Was ist der Unterschied zwischen Condition Monitoring und Predictive Maintenance?
Condition Monitoring misst und liefert die Daten über den aktuellen Zustand. Predictive Maintenance nutzt diese Daten, um zu prognostizieren, wann ein Bauteil ausfällt, und plant die Instandhaltung danach. Kurz: Condition Monitoring ist das Messen, Predictive Maintenance die Prognose darauf — ohne Zustandsdaten keine seriöse Vorhersage.
Was ist der Unterschied zwischen Condition Monitoring und einer normalen Inspektion?
Eine Inspektion ist der Rundgang, bei dem ein Mensch schaut, horcht und anfasst — punktuell und subjektiv, zwei Leute urteilen oft verschieden. Condition Monitoring erfasst dieselbe Information als gemessene Größe mit Grenzwert und Verlauf über die Zeit. Damit wird der Zustand reproduzierbar und für jeden gleich lesbar.
Für welche Anlagen lohnt sich Condition Monitoring?
Vor allem für kritische Anlagen, deren Ausfall die Produktion stoppt oder ein teures Bauteil mitreißt — dort ist die frühe Warnung das Geld für Sensoren und Messungen wert. Bei unkritischen Anlagen, die sich im Ausfall schnell und ohne Folgen tauschen lassen, lohnt der Aufwand meist nicht. Wo deine Anlagen stehen, klärt eine Kritikalitätsanalyse vorab.